Kalenderblatt: Frauenwahlrecht

Es war der 30.11.1918, an dem Frauen in Deutschland endlich gesetzlich zugestanden wurde, passiv und aktiv die politischen Wahlen mitzubestimmen. Für mich selbstverständlich und 2018 dann auch schon seit 100 Jahren gelebte Praxis.

Zu verdanken haben wir das Frauen wie Anita Augspurg (München), Minna Cauer (Berlin) und Lida Gustava Heymann(Hamburg). 1902 gründeten sie den Deutschen Verband für Frauenstimmrecht und schlossen sich 1904 in Berlin dem Weltbund für Frauenstimmrecht an, der sich dort auf der zweiten internationalen Frauenstimmrechtskonferenz gründete.

Heute wie damals war und ist es wichtig, sich zu vernetzen und zu verbinden. Und heute wie damals braucht es Zeit, um ein Bewusstsein für die Ungleichheit zu schaffen und strukturelle Veränderungen voran zu bringen. So waren die Frauen unermüdlich unterwegs, um Vorträge zu halten, Publikationen zu verfassen oder zahlreiche Petitionen einzureichen. Das war der Teil der inhaltlichen Arbeit.

Gleichzeitig war ihnen klar, dass auch die Strukturen angegangen und aufgeweicht werden mussten. Also engagierten sie sich als Wahlhelfer*innen bei Landtags- oder Stadtverordnetenwahlen. So ergab sich zum Einen die Gelegenheit, Männer zu unterstützen, die dem Frauenstimmrecht offen gegenüber standen. Zum Anderen konnten sie ihr Anliegen auch in den die bürgerlich orientierten Parteien streuen und deren Interesse dafür wecken.

Aber auch Männer hatten zu der Zeit mit dem "Dreiklassenwahlrecht" zu kämpfen. Ein interner Richtungsstreit unter den Frauen entbrannte. Die einen wollten, dass Frauen, wie die Männer, in drei Klassen eingeteilt werden und dementsprechend wählen dürfen und die anderen wollten das demokratische Wahlrecht für ALLE.

Die Gründerinnen, Augspurg, Heymann und Cauer, verließen daraufhin 1913 den Verband um das demokratische Wahlrecht für ALLE, im neu gegründeten Verband "Deutscher Bund für Frauenstimmrecht" voran zu treiben.

In den Wirren des ersten Weltkriegs steckten die drei Frauen, als ausgewiesene Pazifistinnen, alle Kraft darein, der Kriegseuphorie entgegen zu wirken.

November 1918 dann, der Frieden und die Ausrufung der Republik. Das Frauenwahlrecht tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Wenig später wurde Augspurg dann offizielles Mitglied im provisorischen Nationalrat und Heymann nahm einen Sitz in der Erziehungskommission ein.

Diese Frauen haben unglaubliches bewegt und sind zwei der mutigsten Menschen des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts gewesen. Anna Dünnebier und Ursula Scheu haben ihr spannendes Leben im Buch: "Die Rebellion ist eine Frau" nachgezeichnet. Grundlage waren Aufzeichnungen von Heymann, die 1972 veröffentlicht wurden.

Ein Blick in die Geschichte des Frauenwahlrechts zeigt mir, dass wir international nicht die Ersten waren:
Bereits 1838 bekam die britische Kronkolonie Pitcairn als erstes Land ein nachhaltiges Frauenwahlrecht! 1906, etwa 70 Jahre später also, errang Finnland als erstes europäisches Land das Frauenwahlrecht. 1918 haben mit uns dann gleich 6 Länder das Frauenwahlrecht eingeführt (Österreich, Kanada, Estland, Lettland, Polen, Russland).

Es ist nur vordergründig ein Kampf der Geschlechter.
Der Grund?
Es gibt weder DIE Frau noch DEN Mann.

Es geht im Bemühen um Gleichberechtigung darum, Strukturen zu schaffen, die es Frauen und Männern jedweder Couleur erlauben, den Platz in der Gesellschaft einzunehmen, der ihnen in ihrer Entwicklung entspricht. Diese Möglichkeit ist nun mal nach wie vor den Frauen weniger zu gleichen Rechten möglich, wie dem Mann.

Darum ist es hier und heute unsere Aufgabe, auf Strukturen und Mechanismen aufmerksam zu machen, die Menschen zum Nachteil gereichen oder sogar Leib und Leben bedrohen.

Auf dem Weg dorthin, jährt sich am 30.11.2018 die Durchsetzung des Frauenwahlrechts zum 100sten Mal in Deutschland.

Diesen Tag wollen wir bei DiB besonders feiern und schon jetzt laufen die ersten Vorbereitungen dazu an. Wenn Du gern Deine Ideen mit einbringen möchtest oder an den Vorbereitungen und der Planung dieses Events interessiert bist, melde Dich bei uns! Es soll ein Fest werden, das Brücken schlägt, Gleichbehandlung neu denkt und damit Richtungsweisend für die Zukunft wird.

Anett Polzin

Anett
für DEMOKRATIE IN BEWEGUNG

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